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Zahnanomalien Da Chinchillas Nagetiere sind, wachsen ihre Zähne ständig. Das dient zum Schutz des Überlebens. Durch ständiges Nagen und häufigem Fressen werden diese Zähne abgenutzt. Deswegen ist es auch besonders wichtig dass die Tiere immer Heu zur Verfügung haben und auch fressen, da nur das Heu die Abnutzung der Backenzähne gewährleistet. Pellets werden 'normal' gekaut (Auf- und Abbewegen des Kiefers) und die Tiere nehmen auch wenig am Tag davon zu sich, wodurch der Zahnabrieb nicht ausreichen ist (hier bringen auch harte Pellets nichts). Heu wird gemahlen (Vor- und Zurückschieben des Kiefers) und hilft dabei die Backenzähne abzunutzen. Chinchillas haben 20 Zähne. Davon sind vier Schneidezähne und 16 Backenzähne. Die unteren Backenzähne sind dabei Richtung Zunge geneigt (lingual) und die Oberen neigen sich Richtung Wange (bukkal). Vom ersten bis zum letzten Zahn nimmt diese Neigung ab. Aufgrund einer Krankheit, bei der das Tier keinen Appetit hat, oder eben wenn das Tier aus anderen Gründen nicht genug nagen bzw. seine Backenzähne abschleifen kann, werden diese Zähne zu lang. Das Tier bekommt so genannte Zahnspitzen, die unten teilweise richtige Brücken bilden und so dann das weitere Fressen verhindern. Bei Zahnspitzen ist es auch häufig so, dass durch sie Verletzungen im Mundraum entstehen, die wiederum zu Abszessen führen können. Bei einer Brückenbildung (die Zähne wachsen so, dass sie sich in der Mitte treffen) kann das Tier zudem die Zunge nicht mehr bewegen und so keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Die Backenzähne sind nur vom Tierarzt zu sehen, der dafür ein bestimmtes Instrument benötigt. Die Zähne müssen, wenn sie zu lang sind, dringend und schnellsten gekürzt werden! Normalweise ist so ein Kürzen eine einmalige Sache. Wenn das Tier nach der Behandlung länger braucht um wieder alleine zu fressen, kann es unter Umständen auch zwei oder drei Korrekturen der Zähne erfordern. Nach dieser Prozedur, die leider für das Tier nicht angenehm ist, muss oft ein paar Tage gepäppelt werden. Doch dann sollte es wieder gut sein. Für die Dauer der Behandlung oder sollte ein Zahn gezogen werden, kann die Gabe eines Schmerzmittels nötig werden. Hierbei wurden gute Erfahrungen mit Metacam gemacht, dies wird der Tierarzt aber individuell entscheiden. Beim Kürzen und auch möglichem Ziehen eines Zahns wird oftmals eine Narkose gesetzt, da auch das manchmal erforderliche Einsetzen des Spreizers sehr unangenehm ist. Bei einem ganz lieben Tier kommt man um die Narkose mit Glück herum, der Tierarzt muss aber genau drauf achten, wie das Tier auf den Spreizer reagiert, da ein Überdehnen des Kiefers zu Verletzungen führen kann.
Chin in Behandlung ohne Narkose (Zahn ziehen)
Leider kommt es auch immer häufiger vor, dass die Zähne durch einen Zuchtfehler schief oder zu lang werden. Hier wird es nicht bei wenigen Kürzungen bleiben, sondern es wird leider regelmäßig immer wieder durchgeführt werden müssen. Und das ein Leben lang. Dann ist es auch häufig so, dass die Zähne durch den Druck des Gegenzahns durch die Alveolen (die Löcher in denen die Zähne sitzen) in die Gegenrichtung gedrückt werden und das Tier unter starken Schmerzen leidet. Diese Tiere, bei denen die Zähne teilweise die Augenhöhlen erreichen bzw. durch den Kiefer gedrückt werden, haben dann immer Schmerzen. Trotzdem ist es möglich ihnen ein halbwegs angenehmes Leben zu bieten. Einige stecken Anomalien (sofern nicht zu extrem) super weg und genießen trotzdem alles. Dies muss also nicht gleich ein Todesurteil sein! Nur sollten diese Tiere auf keinen Fall in die Zucht! Man sollte bei öfter auftretenden Anomalien möglichst schnell ein Röntgenbild anfertigen lassen. Anhand dieser Bilder kann man deutlich sehen, wie schlimm die Zähne sein können. Ein paar Fotos verdeutlichen was einige Chinchillas erleiden müssen. Das erste Bild zeigt eine starke Anomalie. Die Zähne sind zu lang, werden durch den Gegenzahn entgegen der Wuchsrichtung in Kiefer und Augenhöhle gedrückt. In so einem extremen Fall gibt es keine Möglichkeit dieses zu operieren und das Chinchilla sollte besser erlöst werden, spätestens wenn es deutliche Schmerzen zeigt.
Auf dem zweiten Bild sind die Schneidezähne falsch gewachsen, können sich nicht abnutzen und das Tier kann irgendwann nicht mehr essen. Zudem hat das Tier eine extreme Kieferfehlstellung. Hier sieht man auch warum man von der Seite auch immer kontrollieren sollte, denn von vorne ist nicht unbedingt zu erkennen wie sehr die oberen Schneidezähne sich nach hinten gedreht haben. Dies ist ein sehr extremer Fall.
Für die Möglichkeit diese Bilder zu machen, möchte ich mich ganz herzlich bei einem befreundeten Züchter bedanken! Die folgenden Röntgenbilder sind mir von Britta zur Verfügung gestellt worden und ich möchte mich dafür bei ihr ganz lieb bedanken! Auf den Bildern kann man sehr gut erkennen, wie lang die Zähne sind und dass sie durch den Druck des Gegenspielers (Gegenzahns) durch die Alveolen in die Gegenrichtung (Augenhöhle und Kiefer) geschoben werden.
Lisas Geschichte (das ist die kleine Dame von den Bildern) und was alles passierte, könnt Ihr hier nachlesen: http://www.rinoas-forum.com Bei Lisa wurden schon einige Zähne gezogen. Deswegen sind nicht alle auf dem Röntgenbild zu sehen. Chinchillas wie Lisa sollte nicht in die Zucht. Diese Art der Anomalien kann sich möglicherweise vererben und den Kinder wird dann ein ähnliches Schicksal bevorstehen. Auf dem nächsten Bild sieht man Aufnahmen von Flip. Bei Flip steht ein Zahn quer und ist lose, die Zähne allgemein sind schon zu weit im Kiefer (vor allen Dingen oben und vorne unten), die Kaufflächen sind uneben, ein unterer Backenzahn vorne wurde schon gezogen:
Danke an Ulli für das Bild! Bei Flip wurden die Zähne unten ein wenig abgeschliffen, der noch lose Zahn wurde ebenfalls entfernt. Ob die Ursache hier genetisch bedingt ist oder durch Fehlernährung stammt, ist unklar. Wie oft eine Korrektur nötig sein wird, ist ebenfalls nicht abzusehen. Im Vergleich mal die Bilder von Naice, einem meiner Zuchttiere:
Leider ist auch das Bild nicht perfekt und ein wenig verwackelt da Naice dazu nicht in Narkose gelegt wurde, aber man erkennt wie kurz die Zahnwurzeln sind und wie gerade die Kauflächen. Auch der Unterschied von Flip zu Naices Schneidezähnen ist sehr deutlich zu erkennen. Dann möchte ich gerne die Bilder von Snowy zeigen und bedanke mich an dieser Stelle bei Heike, die hier war und die Bilder gebracht hat. Snowy wurde ca. 8 Jahre alt und hatte ebenfalls starke Zahnprobleme. Für Heike war es das zweite Chin mit Zahnanomalie und wie viele Besitzer dieser armen Mäuse mochte auch sie einfach diese Qualen nicht bei einem Chin sehen. Bei Snowy wurden die unteren Schneidezähne schon gekürzt. Trotzdem ging es ihm sehr schlecht. Er hatte stark an Gewicht verloren, war beim Machen der Bilder sogar zu schwach zum Schlucken, was das Päppeln zu einer Qual machte. Eine Narkose wäre sehr riskant gewesen, da er auch schon Kreislaufmittel benötigte, freiwillig nicht mehr von seinem Handtuch mit der Wärmflasche drunter runter ging.
Bei ihm standen die Zähne schon unten aus dem Kiefer heraus und oben stand ein Zahn richtig quer. Sie waren alle zu lang, weswegen auch Snowy zuerst aufhörte Heu zu fressen. Er wurde am 27.06.04 erlöst.
Hier einmal verdeutlicht:
Leider sieht man durch das Abfotografieren nicht (so wie auf dem originalen Bild) dass unten die Zähne schon rausschauen. In diesem Fall waren sie sogar zu ertasten. Die ganzen Bilder sollten auch für Züchter einen Appell darstellen: die Besitzer dieser Chins leiden ebenfalls. Sie hängen an den Tieren und es tut ihnen weh! Solche Tiere in die Zucht zu nehmen ist den künftigen Besitzern des Nachwuchses gegenüber unverantwortlich! Falsche Ernährung (oftmals durch falsche Beratung!) und eine schlechte Zuchtauswahl sind ebenfalls verantwortlich für das Leid dieser Tiere! Deswegen ist allen Haltern zu raten auf Getreide, Mischfutter und Co wirklich zu verzichten! Ein paar ausführlichere Informationen zu Zahnanomalien findet man auch hier:
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