Ernährung

Heu Pellets Wasser Leckerlies und Zusätze
Was man immer berücksichtigen muss: Chinchillas kommen aus einem Gebiet, indem sie sich nur von trockenen Gräsern und Wurzeln ernähren können. Das Wasser beziehen sie in erster Linie aus Kakteen, die dort wachsen und hier leider nicht zu beziehen sind. Ihr ganzer Organismus ist auf diese karge Ernährung eingestellt! Das heißt sie benötigen, im Verhältnis zu anderen Nagern, wenig Vitamine, wenig Mineralien, aber dafür sehr viel Rohfaser. Darauf sollte die Ernährung auch aufbauen! Drei wichtige Dinge gehören zu einer guten Ernährung: Heu, gute Chinchilla-Pellets und Wasser. Betonung auf Heu, denn dies ist das A und O in der Ernährung. Alle drei Dinge (Pellets, Heu und Wasser) biete ich meinen Chinchillas ständig an! In einigen Büchern stehen Mengenangaben über die Pellets, bei denen es heißt, ein Esslöffel pro Tier und Tag würde langen. Diese Angaben sind aber für Chinchillas die nicht soviel Bewegung haben und man muss dann aufpassen, dass die Tiere nicht abmagern und verhungern. Weiterhin hängen sie auch mit der Zusammensetzung der Pellets zusammen. Einige sind sehr konzentriert und da benötigen die Chinchillas manchmal weniger Pellets und würden bei höheren Mengen dann zu dick werden.
rechts Chinchillaheu und links grünes Meerschweinchenheu Das Heu ist der wichtigste Punkt in der Ernährung. Nicht nur für den Backenzahnabrieb, sondern auch weil es die für die Chinchillas so lebenswichtige Rohfaser bietet. Es ist auch sehr wichtig gutes und grobes Heu zu bekommen und auf saftiges und grünes Heu zu verzichten, welches Meerschweinchen bevorzugen. Zoohandlungen sind da oftmals nicht die beste Anlaufstelle, aber selbst in der Nähe von Großstädten finden sich oft Pferdebedarfshändler, die im Normalfall geeignete Heuballen da haben und diese lassen sich auch länger lagern und werden nicht schlecht. Eine trockene Lagerung ist natürlich Vorrausetzung. Das richtige Heu wird von Chinchillas problemlos sehr gerne gefressen. Frisst ein Chinchilla kaum Heu, dann kann dies gesundheitliche Aspekte haben, aber auch am Heu selber liegen. Jedes Heu sollte gründlich auf giftige Pflanzenteile untersucht werden. Vereinzelnde Kräuter wie Disteln können verbleiben, wobei ich dieses lieber gezielt zufüttere, um die Verträglichkeit beobachten zu können.
Einige Beispiele für Futterzusammensetzungen verschiedener Hersteller kann man auf diesen Seiten sehen -> Zusammensetzungsbeispiele. Normale Chinchilla-Pellets haben im Durchschnitt: Laut Herrn Helmut Kraft (Quelle: 'Krankheiten der Chinchillas') sollten die Anteile von Rohfasern in Pellets ca. 16 - 18 % und von Rohprotein weniger als 15 % betragen. Also mehr Rohfaser als Rohproteine. Das ist in keinem mir bekannten Futter der Fall. Es würde aber den Zusammenhang mit dem sehr hellen Kot der frei lebenden Chinchillas und der dort wohl stattfindende erhöhte Rohfaser-Aufnahme erklären.
Kot frei lebender Chinchillas in Chile
gesammelt von einem Pelztierzüchter im Norden Deutschlands Bei kleiner werdendem Rohprotein- Anteil wird die Verdaulichkeit des Futters deutlich herabgesetzt und dadurch die Resorption der Futterbestandteile reduziert, wodurch die Tiere wertvollen Stoffe weniger aufnehmen können. Deswegen muss das Gemisch stimmen. Chinchillas ziehen genug Energie aus dem einfachsten Futter heraus. Aufgrund ihres sehr großen Blinddarms und den darin lebenden Bakterien wird hier eine hohe Menge an Rohfaser benötigt und weniger Rohprotein. Die Rohfaser wird von den Bakterien in wichtige Stoffe umgewandelt. Bei hoher Zufuhr von Kohlehydraten, Fett oder Eiweiß wird die Darmflora aus dem Gleichgewicht gebracht und die Bakterien können ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen. Der ganze Darm ist darauf ausgelegt den kleinsten Fitzel aus der Ernährung zu verwerten. Bei einem Rohproteinanteil von über 18 Prozent und einem geringen Rohfaseranteil wird das Risiko der Leberschäden größer. Bei Meerschweinchen werden folgende Mengen pro Kilogramm empfohlen (zum Vergleich!): Der Rohfaser-Anteil ist hier niedriger als der Rohprotein - Anteil, die anderen Werte geben aber ebenfalls Anhaltspunkte über den Bedarf von Nagern dieser Größenordnung. Der Zusatzstoff Flavophospholipol oder Flavomycin ist ein Antibiotikum das angeblich in der geringen Menge keine Probleme verursachen soll, aber doch auf Dauer die Resistenz gegen Antibiotika fördert und deswegen nicht enthalten sein sollte. Näheres zu den Inhaltsstoffen könnt Ihr ebenfalls auf diesen Seiten finden. Ich füttere (weil ich oft drauf angesprochen wurde) zur Zeit Ovator - da es mit meinem vorherigen Futter bei anderen zu massiven Problemen kam, aufgrund einer schlechten Lieferung des Herstellers eines der Inhaltsstoffe. Denkt dran das eine Umstellung bei Chinchillas große Probleme verursachen kann und solltet Ihr mit Eurem Futter nicht zufrieden sein, dann wägt vorher gut ab auf welches Futter Ihr umstellt, damit die Kleinen nicht durch dauernde Wechsel belastet werden. Falls Ihr bei Euch kein gutes Futter bekommt, könnt Ihr es auch über das Internet beziehen und es gibt inzwischen eine gute Auswahl an Internet-Shops.
Getrocknete Brennnessel, Topinambur-Blätter (getrocknet oder frisch) sowie Löwenzahn (getrocknet oder frisch) dürfen ebenfalls ab und zu mal angeboten werden. Gerade Topinambur ist wegen der fehlenden Stärke bei Züchtern sehr beliebt. Aber bitte nicht zuviel (gerade wenn ein Tier dies nicht gewohnt ist) und wirklich nur selten, sonst kommt es zu Verstopfungen bei dem Tier und/oder einer Überbelastung des Darms. Im frischen Zustand sind hier Durchfälle nicht selten. Selbst erfahrene Züchter, die Artikel in Zeitschriften geschrieben haben, berichten davon, dass Zusatzfutter wie Topinambur, Löwenzahn und ähnliche Kräuter nur in geringen Mengen gegeben werden sollten und dies auch nur nach einer Eingewöhnungszeit. Die enthaltenen Mineralien der hiesigen Kräuter entsprechen nicht der natürlichen Ernährung, so dass die Tiere bei regelmäßiger Gabe größerer Mengen überversorgt werden. Kräuter enthalten oft Pestizide und die Herkunft ist somit sehr entscheidend, wenn man auch bei kleinen Gaben den Tieren nicht schaden möchte. Hier wäre der Kauf in der Apotheke vorzuziehen, da die Kräuter dort einem anderen Standard entsprechen, als Futterkräuter oder auch Teemischungen. Auch die medizinischen Wirkung der einzelnen Kräuter ist von Bedeutung. Kräuter werden in meiner Haltung rein zur Heilung eingesetzt (zum Beispiel zur Unterstützung bei tragenden und stillenden Chinchilladamen) und nicht als Leckerlis. Ich selber gebe meinen Tieren lediglich Apfel als regelmäßiges Leckerli und es geht ihnen damit die ganzen Jahre über sehr gut. Experimente habe ich in den ersten Jahren durch meine damalige Unwissenheit genug gehabt und bin bedient. Natürlich gibt es eine Reihe Berichte über abwechslungsreiche Ernährung und wer wünscht sich dies für seine Tiere nicht. Aber bei allen Versuchen hat sich über die Jahre hinweg gezeigt, dass die Tiere es leider nicht verkraften und bisher habe ich noch keinen getroffen der wirklich auch später Gutes berichtet. Getreide zum Beispiel schadet der Leber sehr und bringt auch die Darmflora recht schnell aus dem Gleichgewicht, was eine Aufnahme anderer Lebensnotwendiger Stoffe verhindert. Vor allen Dingen Nüsse (auch die Schalen solcher) usw. sind schädlich! Sie gehen auf die Leber und die Niere und Spätschäden sind absehbar. Selbiges gilt für die Knabberdinge aus den Zooläden die angeboten werden und angeblich für Chinchillas sind. Lasst die Finger besser davon! Wer nun denkt in den Pellets ist doch auch Getreide drin hat natürlich Recht, aber bisher scheitert die Gabe von Getreidemischungen zum einen an der richtigen Zusammenstellung und dann auch am natürlichen Verhalten des Aussortierens. Die Tiere fressen nicht jeden Tag die gleiche Menge und somit wird ein dosieren schwierig. Als Zusatz zu den Pellets ist es auf alle Fälle zuviel und schadet erheblich. Fettiges gehört ganz weggesperrt. Salate sind ebenfalls einfach schädlich und enthalten kaum gesundes, wodurch ein Versuch der Gabe wirklich weggelassen werden sollte. Unser hiesiges Gras ist auch nicht als Ernährungszusatz zu sehen, da es zum Beispiel viel zu viele Nährstoffe enthält und ich nicht vergleichbar mit dem was in den Anden wächst. Bei der Fütterung von Gras kommt es sehr oft zu Darmproblemen und mit Pech auch zu Aufgasungen, die bei einem Chinchilla sehr schmerzhaft sind und durchaus heftige Risiken in sich bergen. Ebenfalls nicht geeignet sind die meisten Obstsorten. Zucker, viel Wasser und der hohe Vitamin-Anteil schadet mehr als dass die Tiere davon einen Nutzen haben. Immer wieder kommt der Boom auf die Tiere anders ernähren zu wollen. Dies ist auch verständlich, denn wir Menschen selber mögen keine einseitige Ernährung und wollen dies natürlich auch nicht für die Tiere. Trotzdem sollte das oberste Gebot sein den Tieren gutes Heu anzubieten. Die Pellets dienen nur dem Ausgleich an Mineralien und Vitaminen da eine alleinige Ernährung mit Heu Mangelerscheinungen hervorruft. Bisher gibt es kein Ernährungskonzept, mit dem die Pellets über die Jahre hinweg ersetzt werden können. Die Gebiete der Anden, die von den Chinchillas bewohnt werden, bieten wenig Regentage, dadurch sind die Pflanzenbestände dort den harten Bedingungen angepasst. Man findet dort keine grünen Wiesen wie bei uns (sofern nicht künstlich angelegt), sondern in erster Linie Pampasgräser, Kakteenlandschaften und in bestimmten tieferen Regionen auch Strauchgewächse. Interessant wäre der Anbau dieser heimischen Pflanzen, aber da sollte man dann auch den richtigen Boden für haben, denn gut gedüngt bedeutet auch mehr Nährstoffe in den einzelnen Pflanzen. Leider sind die Gewächse in der Heimat der Tiere selber recht bedroht und da sie alle sehr langsam wachsen, ist eine Nachzucht sehr langwierig und damit als Nahrung schon auszuschließen. Die Darmflora der Chinchillas ist äußerst empfindlich. Plötzliche Umstellungen können diese zum Zusammenbrechen bringen! Deswegen ist es auch wichtig bei einem Futterwechsel langsam vorzugehen. Auch unverträgliche Sachen stören diese erheblich. Viele kommen mir mit den Argumenten, dass ihre Tiere das aber mögen und ja gar keine Probleme davon bekommen, doch diese Tiere sind im Normalfall noch jung und die Probleme zeigen sich oft erst im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren. Ein einzelner Bissen Gras wird bei einem Tier nicht gleich üble Folgen haben, aber hier geht es um die Ernährung und eine Dauergabe von verschiedenen Dingen stellte sich bisher immer wieder als grundsätzlich falsch heraus. Wenn dann das Tier durch die falsche Ernährung stirbt, ist es zu spät es zu bereuen. Das Tier hat nichts mehr davon. Also vorher sehr gut überlegen. Bei jedem Extra was man den Tieren gibt, muss etwas anderes weichen. Sollte man also Löwenzahn oder Topinambur reichen (in geringen Mengen), dann sollten den Tag auch die Pellets runtergeschraubt werden. Gerade ein Überangebot an Calcium ist nicht gesund, selbiges gilt auch für andere Mineralien oder auch Rohprotein. So ist zum Beispiel Hafer etwas, dass sehr viel Rohprotein enthält und auch Luzerne sollte mit Vorsicht angegangen werden, wobei die Proteine in der Luzerne zu den gesünderen zählen und Luzerne deswegen gerne von Züchtern als Stärkungsmittel für schwangere oder stillende Damen genommen wird. Ist auf alle Fälle gesünder als Milchpellets oder Getreide, welche ebenfalls im Zuchtbereich Anwendung finden und eine ganze Reihe Nachteile für Darm und Leber haben. Außerdem darf bei der Mischernährung nicht vergessen werden, dass die Tiere mit
jedem Extra auch weniger Heu fressen und dann wird der Kot klein und hart
und zeigt den angekratzten Darm an. Bestimmte frische Dinge hingegen machen
den Kot weich, was darauf hindeutet, dass der Darm einfach überfordert ist.
Achtet bei den Tieren auf die richtige Kotform und Konsistenz, vergesst aber
nie die Langzeitwirkung der Ernährung.
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